Horloger: Signiert auf dem Zifferblatt: VERNEAUX à Paris (= Francois oder/und Francois ​​​​Henry Vernaux)

Figuren: ​Entwurf Jean-Joseph de Saint-Germain und Pierre Antoine Foullet, ​​Parallelen zu Skulpturen von Augustin Pajou (1730-1809)

Material: ​Feuervergoldete und patinierte Bronze, ziseliert

Werk: Originales Acht-Tage-Werk mit Spindelgang und Fadenaufhängung.
​​Schlag auf Glocke zur vollen und halben Stunde

Epoche: ​Louis VI, Klassizismus, um 1770

Maße: 40 cm (hoch), 44 cm (breit), 22 cm (tief)

Diese Pendule vereint in harmonischer Weise feinste Bildhauerkunst mit ausgefeilter Uhrentechnik.

Die Bronze-Figur: Es existiert ein sehr ähnliches Model, das von Jean-Joseph des Saint-Germain signiert und 1769 datiert ist (Lit. 1.; Augarde, Abb. 230, S. 305). Dieses wurde von ihm für Antoine Foullet entworfen, der es vermarktete. Von Foullet gibt es im „Livre des desseins“ eine Zeichnung des Modells, die um 1760 zu datieren ist (Lit. 2; Ottomeyer, Abb. 3.3.6, Bd. I, S. 162) und damit eine der ersten Zeichnungen dieser Zeichnungen-Sammlung darstellt. Ottomeyer sieht in der bildhauerischen Qualität der Bronze „nahe Parallelen“ zu den Figuren eines der bedeutendsten Bildhauer des 18. Jahrhunderts, und zwar Augustin Pajou (1730-1809), (Lit. 2; Ottomeyer, Abb. 3.3.7, Bd. I, S. 162). Ein weiteres Modell der Urania befindet sich im Gulbenkian Museum, Lissabon.

Die Pendule mit der Urania stellt mit ihrer Entstehung vor 1770 eine der frühesten figürlichen Pendulen-Bronzen des Klassizismus dar. Sie bildet gleichzeitig auch schon einen künstlerischen Höhepunkt dieser Epoche.

Horloger/Uhrmacher: Der Qualität der Bronze entspricht die der Technik und des Horlogers. Natürlich ist auch der Horloger / Uhrmacher berühmt. Es sind François Verneaux (Maître 1747) und sein Sohn Henry-François (Maître 1757), die das Werk schufen. Sie fertigten bedeutende Uhren für die Hocharistokratie der Epoche Louis XVI unter anderem für die Duchesse du Mazarin.

Für die frühe Entstehung der Pendule spricht technisch betrachtet auch die Spindelhemmung des vollständig originalen Werkes.

Die Gestalt der Urania ist wie eine antike Bronze dunkel patiniert und wirkt umso mehr wie ein eigenständiges Kunstwerk. Ihre Sitzhaltung ist äußerst elegant, die Faltenzüge sind großzügig um den Körper drapiert. Sie schaut mit leicht geneigtem Kopf in Richtung Uhr, die sie gleichzeitig mit emporgehobenem Arm umfasst. Ihr schönes Gesicht ist sehr fein modelliert, wirkt gedankenvoll und freundlich-ruhig. Ganz außergewöhnlich ist ihr Haarschmuck in Form von einzeln eingesetzten, goldenen Sternen. In der rechten Hand hält sie ein langes Fernrohr. Weitere Attribute der sind großzügig um sie herum arrangiert: Ein Himmelsglobus, Winkelmaß und Zirkel deuten auf die Tätigkeiten der Astronomie, weiterhin zeigen sich große entrollte Sternenkarten und eine Darstellung des Zodiakus. Alle Details darauf sind sehr fein gearbeitet und gut zu erkennen. Für die durch und durch geistreiche Kompostion der Pendulenbronze spricht auch die Gestaltung der Uhrenbasis: sie ist in einzigartiger Weise aus einem Stapel von großen Büchern gebildet. Bewundernswert ist hier, wie detailliert die einzelnen – damals ja noch von Hand aufgeschnittenen – Buchseiten wiedergegeben sind. Alle Elemente der Komposition sind aufeinander bezogen – Urania, Uhrwerk und Attribute bilden eine kunstvolle und sinnvolle Einheit.

Die formidable Pendule ist von allen Seiten schön, bietet dem Betrachter immer neue Details. Der Sockel mit kräftigem antikisierenden Wellenband und die Art der Komposition deuten auf eine Entstehung im frühen Klassizismus, zwischen 1765-70. Damit gehört sie zu den frühen figürlichen Pendulen und ist auch deshalb – neben ihrer bildhauerischen Qualität – unter kunsthistorischem Gesichtspunkt höchst bemerkenswert.
Dr. Elke Niehüser

Literatur: H. Ottomeyer & P. Pröschel, Vergoldete Bronzen, Vol. I, Munich, 1986, S. 162, figs. 3.3.6 und 3.3.7; Catalogue, no. 90; p. 10 ).
J.-D. Augarde, Les Ouvriers du Temps, Geneva, 1996, S. 305, fig. 230 (clock Saint-Germain); S. 405 (Horlogers VERNEAUX)
E. Niehüser, French Bronze Clocks, 1700-1830, Atglen, 1999, S. 82, fig. 124-126, S. 216, no. 228;
Tardy, French Clocks-The World Over, Vol. II, Paris, 1981, S. 25.
Tardy, Dictionaire des Horlogers Français, Paris 1971-72, S. 639.